Wednesday, November 23, 2005

Geschichte der KSA

Welche Spezifika seines Werkes machen Durkheim zu einem wichtigen Einflussgeber der anthropologischen (bzw. sozialwissenschaftlichen) Theorienbildung des 20. Jahrhunderts? Worin bestehen die Neuerungen im Denken Durkheims, die spätere Forschungsrichtungen inspirierten?
Einleitung:

Émile Durkeim, geboren 1858, wuchs als Sohn einer Rabbiner Familie auf, wandte sich jedoch früh vom Judentum ab. Das Frankreich seiner Jugend war eine Zeit des politischen Wandels: Nachdem Kaiser Napoleon III gestürzt war kam es zur Ausrufung der dritten Republik.
In der Soziologie sah er nicht bloß eine Wissenschaft sondern auch einen Weg zur Schaffung einer weltlichen, nicht kirchlichen Moral passend für den neuen Staat.
Die Themen und Inhalte seiner Arbeiten haben meiner Meinung nach Ihre Wurzeln genau in diesem
Kreationsprozess.

Inspiration für seine Arbeiten fand Durkeim bei den Vorreitern der sozialen Theorie, wie zum Beispiel Montesquieu, Saint-Simon und Comte. Aber auch Ansätze von Vertretern anderer Disziplinen wie die der Philosophie, im speziellen René Descartes, Immanuel Kant und dem Neokantisten Charles Renouvier, übten großen Einfluß auf Durkheim aus.

Durkheims Werk:

Zu den wohl bekanntesten und einflußreichsten Werken Durkeims zählt seine Arbeit „Les formes élémentairs de la vie religieus“ (1912)
Die evolutionistischen Ansichten der Britsh-School (Tyler, Frazer), wonach Religion ein Produkt des menschlichen Geistes, folglich der Psychologie des Individuums ist, mißfielen Durkheim, denn
dies würde voraussetzten, dass jede Generation die selben Erfahrungen durchleben müsste um Religion in ihrem Wesen aufrecht zu erhalten.
Woher also kommen religiöse Ideen?
In der Dichotomie sakral /profan, die ein zentrales Element seiner Theorie bildet, repräsentiert das Sakrale etwas von den menschlichen Alltagsgeschäften Abgehobenes, Entrücktes und zugleich Verbotenes, etwas, das den Lebenden zeitlich vorangehe, sie beschütze, belehre, ernähre dominiere, bestrafe und letzen Endes auch überlebe. Die einzige reale übermenschliche Macht, mit der die Menschen tatsächlich konfrontiert sind, seien aber die représentations collectives, also die kollektiven Vorstelllung ihrer Gesellschaft. Der einzelne Mensch, der in seine Gesellschaft hineingeboren wird, finde im Verlauf seiner Sozialisation diese kollektiven Vorstelllungen, als faktisch Gegebenes, außerhalb seiner individuellen Gestaltungsmöglichkeiten Liegendes, vor. Diese kollektien Phänomene seien ihm an Macht und Autorität unendlich überlgen, so dass er gar nicht umhin könne, sie zu akzeptieren und zu verinnerlichen.Religion sei letzendlich nichts anders als eine Transformation der übermächtigen representations collectives in sakrale Symbole. Für Durkheim sakralisiert die Gesellschaft, in Gestalt der Religion, ihre eigene Struktur als überindividuelle Instanz mit absoluter Autorität. Die Definition von profan fällt weit schwieriger aus, zumal Durkheim das Wort nicht einheitlich gebraucht. Profan kann als banal, religiös neutral, gedeutet werden, aber auch als etwas, dass sich dem Einfluß des Sakralen entzieht, wie zum Beispiel die Kräfte der Natur und Umweltverschmutzung. Bestimmt jedoch wurzeln im Profanen soziale Werte, von denen sich das Skarale bedroht fühlt, wie individuelle Interessen und Handlungen, die vorherrschende soziale Vorstellungen verletzen können.

Ein weiteres wichtiges Werk Durkheims - „De la division du travail social“ (1893), welches beachtliche Aufmerksamkeit fand behandelt die Teilung der sozialen Arbeit. Auch wenn für Durkheim zu diesem Zeitpunkt Religion eine Rolle in der Gesellschaft spielte, war es ebenso die soziale Struktur.
Bereits Jean Jacques Rousseau beschäftigte sich damit, was es ist, dass die Gesellschaft zusammen- hält. Seiner Auffassung nach war es der Gesellschaftsvertrag. An diesem Punkt setzt Durkeim an; wie schaut dieser Gesellschaftsvertrag nun real aus? Beziehungsweise wie unterscheidet sich dieser in verschiedenen Kulturen.
In den industriealisierten Staaten findet Durkheim den Grund des Zusammehaltens in der Arbeitsteilung. Aufgrund der weitreichenden Teilung der Arbeit, und der daraus resultierenden Spezialisierung, werden die Individuen abhängig voneinander. Die Gesellschaft kann nur als
Ganzes, als Einheit funktionieren Dies nennt Durkheim „organische Solidarität“. Gesellschaften die auf diesem System basieren, wie kapitalistischen Westlichen Staaten, aber auch Indien weisen folgende Charakteristika auf: soziale Schichtung (Klassen) und die Überordnung eines leicht erkennbaren Machtorgans, wie etwa den Staat oder aber auch den Herrscher. Alternative Wertvorstellungen und Handlung der Gesellschaft werden zwar toleriert aber in vielen Fällen aber auch bewußt unterdrückt. Sakrale Situationen werden hier von profanen Situationen abgelöst.
Belegen könnte man dies mit den aktuellen Ziffern der Kichenaustritte den die katholische Kirche in Österreich zu verzeichnen hat.
In nicht industriealisierten Gesellschaften, ist die Abhängikeit aufgrund von Spezialisierung nicht gegeben. Kleine geschlossene Gesellschaften, wie die Clans eines Stammes sind im wesentlichen funktionell equivalent, die Abhängigkeit von einander lässt sich hier auf die Reproduktion (Frauentausch) beschränken. Stirbt ein Clan aus hat dies wenig Auswirkung auf andere Clans. Den Zusammenhalt dieser Gesellschaften nennt Durkheim „mechanische Solidarität“. Kennzeichnend dafür ist das fehlen von übergeordneten Organen, diese sind zerstreut, folgen aber dennoch den selben Vorstellungen von Moral und Riten. In kurzen Worten kann also festgehalten werden, das
Religion ein wesentlicher Faktor für den Zusammenhalt solcher Gesellschaften spielt.

Neben seiner Tätigkeit als Professor der Sozialwissenschaft und Pädagogik, den wissenschaftlichen Arbeiten die er veröffentlichte, war Émile Durkeim gemeinsam mit seinem Neffen und Kollegen Marcle Mauss Herausgeber der Zeitschrift L’Année sociologique. Eine Neuerung für die damalige Zeit war, dass diese Zeitung interdisziplinär ausgerichtet war.

Durkheims Erben:

Der Einfluß Durkheims zieht sich wie ein roter Faden in der Entwicklung der Kultur- und Sozialanthropologie Europas. Sei es nun der Funktionalismus eines Malinowski, der Strukturfunktionalismus eines Radcliff-Brown, oder Strukturalimus von Mauss, Van Gennep oder Levi-Strauss alle ließen sich von Durkheim inspirieren, mehr noch, viele seiner Nachfolger knüpfen dirket an der Erkenntnissen/Ansätzen Durkheims an, wie es zum Bespiel Bronislaw Malinowski mit der strikten Trennung von Magie und Ritualen tat.
Meiner Meinung nach war sein Ansatz, - abseits von evolutionistischen Theorien - dass sich soziale Fakten nur durch andere soziale Fakten erklären ließen, die sich von Kultur zu Kultur unterscheiden, da jede Gesellschaft für sich einzigartig ist, der den Nährboden für weitere Arbeiten der nächsten Generation von Anthropologen bildete. Weiters wichtig für die Entwicklung der ethnologischen Theorie war seine Doktrin, dass soziale Tatbestände (faits sociaux) wie Naturobjekte zu betrachten und zu erforschen seien.
Seine Werke „De la division du travail social“ oder „Les formes élémentairs de la vie religieus“
weisen bereits „funktionalistische Tendenzen“ auf und zählen somit zu den wichtigsten Publikationen Durkheims für das Fach der Kultur- und Sozialanthropologie.







Quellen:

Robert Parkin
2005 One Discipline, Four Ways, „Durkheim and His Era“ (S. 170-180), Chicago

Roland Mischung
2003 Religionsethnologie (S.208-209) in Fischer&Beer Ethnologie, Einführung & Überblick Berlin

Justin Stagl
2005 Wörterbuch der Völkerkunde. Berlin

Thursday, October 27, 2005

erster eintrag

hier werden in zukunft meine geistigen ergüsse zu lesen sein